Kulinarische Stadtführung Schmallenberg

Samstagmorgen, 10:30 Uhr im Holz- und Touristikzentrum Schmallenberg: Unser Treffpunkt für die Kulinarische Stadtführung in Schmallenberg. Acht Stationen innerhalb der Kernstadt erwarten uns, dazwischen mächtig Kurzweil, viele Informationen über die Stadt und auch das ein oder andere, was selbst alteingesessene Schmallenberger nicht unbedingt wissen. Es war also nicht nur Gaumenfreude angesagt, sondern auch Geistesfreude!

Der Himmel hat sich leider etwas verdunkelt und es sieht trübe aus und etwas regnerisch. Typisch Sauerland… Trotzdem hat die Truppe gute Laune und wir freuen uns auf die Stadtführung. Die Leiterin trägt Kleidung, wie man sie früher auch in Schmallenberg zu feinen Anlässen getragen hat. Ich fühle mich ein wenig in diese Zeit zurück versetzt, denn sie schafft es, nicht nur in der Kleidung vor uns zu stehen, sondern auch diesen Lebensgeist der damaligen Zeit auszustrahlen. Sie trägt es mit Stolz und Freude. Das Kostüm ist handgenäht und sieht richtig authentisch aus!

Die Gruppe, mit der ich unterwegs bin, besteht aus acht Frankfurter Chorsängern, einem Ehepaar aus Nuttlar und eben eurer Hilde mit Begleiter. Die Chorsänger befinden sich auf ihrer Männerfahrt, die sie ins schöne Schmallenberger Sauerland unternommen haben. Wir sind eine lustige Gruppe und die Sympathien bestehen auf allen Seiten untereinander.

Der erste Gang: Käse, Senf und Kettenfett!

Noch bevor unser etwa 2 km langer Rundgang durch Schmallenberg losgeht, wird uns der erste Gang serviert. Es gibt einen leckeren Rohmilchkäse  der Bauernkäserei Löffler sowie drei verschiedene, sehr aromatische Senfe aus der Senfmühle Riffelmann in Gleidorf. Dazu trinken wir ein Gläschen Kettenfett, einen Lakritzlikör, den drei Freunde aus Kirchhundem erfunden haben.

Ich bin eigentlich nicht so die Senfgenießerin, aber die Mischung mit dem Käse ist überraschend lecker-herzhaft! Gerade diese doch außergewöhnliche Mischung übt einen gewissen Reiz aus. Die Schärfe des Senfs, der rahmige, aber auch kräftige Käse, dazu der salzig-starke Lakritzlikör… Ein gelungener erster Gang. Der Käse schmeckt mir mit der „Süßen Sauerländerin“, einem süßen Senf, sehr sehr gut. Für mich der beste Senf ! Vielleicht probiert ihr das auch mal?

Leider rümpfen einige aus der Gruppe die Nase, doch nicht der Käse oder der Senf sind schuld, sondern das Kettenfett. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich gehöre definitiv zu den Liebhabern! Geschmacklich erinnert mich das Kettenfett an salzige Lakritzbrezeln, wobei der Likör etwas dickflüssig ist. So gleitet der Likör langsam die Kehle runter und der Lakritz-Geschmack bleibt noch einen Moment lang auf der Zunge. Sooooo lecker! Ich darf sogar noch einen trinken, denn die Flasche ist noch nicht leer. So stoße ich also mit drei Herren noch einmal an und genieße den Geschmack des für mich süffigen Likörs.

Am Burges Hill Platz erfahren wir von der Städtepartenschaft.

Anschließend können wir also etwas gestärkt und beschwingt unsere Stadtführung beginnen. Unsere Leiterin erzählt uns von der Partnerstadt Burgess Hill in England. Die Städtepartnerschaft wurde 1988 nach langjährigem Schüleraustausch begründet. Im kommenden Jahr wird also das 30-jährige Bestehen dieser Freundschaft gefeiert! Bestimmt ist dann von der Stadtverwaltung eine Feierlichkeit geplant.

Der dreiteilige Bürgerbrunnen mit Quellstein, Trinkstein und Becken.

Wir gehen weiter und am Schützenplatz können wir dann den Bürgerbrunnen bewundern. Er besteht aus Granit und ist dreiteilig aufgebaut, hat also einen Quellstein, einen Trinkstein und das Becken selbst. Direkt neben dem Brunnen befindet sich eine Natursteinskulptur aus dem Jahr 1982. Der Schmallenberger Künstler Carl Siebert hat sie bemalt, dargestellt ist die Verleihung der Stadtrechte an die Stadt Schmallenberg (1244).

Außerdem wurde auf dem Schützenplatz von 1866 bis 1954 das Schützenfest in einem Zelt gefeiert.  Danach wurde es dann in der neugebauten Stadthalle gefeiert, die als „ländliche Schwester der Westfalenhalle“ in Schmallenberg gebaut wurde. Nach so viel Informationen haben wir uns den nächsten Gang verdient! Wir kehren ein in der Bäckerei Dommes in der Oststraße. Uns erwartet schmackhaftes dunkles Brot mit geräuchertem Schinken und frische Butter-Mandel-Spekulatius. Eigentlich ist es ja noch ein wenig früh dafür, aber ich kann nicht widerstehen…auch wenn es bis Weihnachten noch ein wenig dauert.

Schinkenbrote und Spekulatius!

Wir sitzen also gemütlich im Café in der Bäckerei Dommes und lassen uns das Brot schmecken. An der Wand hängt ein Bild mit „Säuerländer Wörtern“ und wir kommen mit den Frankfurtern richtig ins Gespräch. Manches Wort können sie sich noch selbst erklären, wie zum Beispiel den ‚Schlawanzuch‘ oder den ‚Schnuck‘. Aber bei so manchem Wort müssen wir ihnen die Erklärung liefern, denn ‚Klümpkes‘, ‚Schleuterbuchse‘ oder auch ‚Giebelfrigger‘ sind nicht so einleuchtend für Gäste des Sauerlandes!

Leider wird unser angeregtes Gespräch unterbrochen, denn wir müssen weiter zur nächsten Station. Beim Verlassen des Cafés laufen wir an der Backstube vorbei. Dieser Duft, der da wahrnehmbar ist… göttlich. Man riecht einfach, dass die Bäckerei Dommes wirklich noch selber backt und keine Fertigmischungen verwendet. Man riecht Mehl, Körner, Hefe, ein Hauch Vanille, und auch Plätzchenduft liegt in der Luft. Ich könnte hier gerne noch ein wenig stehenbleiben und diesen Duft einatmen.

Draußen auf der Straße können wir nun auch die Bauweise der Oststraße näher unter die Lupe nehmen. Die Häuser sind alle fünfachsig und mit Schiefer gedeckt und verziert. Alle Häuser sind Fachwerkhäuser mit Sprossenfenstern (aufliegende Sprossen, ich hab da nie vorher drauf geachtet!), wobei die Haustür entweder grün oder weiß gestrichen sein muss. So will es die Bauordnung, die nach dem großen Stadtbrand von 1822 in Kraft getreten ist:

Die Schieferfassade und dazu die Sprossenfenster… so schön!

Die beiden großen Straßen, Ost- und Weststraße, sind kerzengerade angelegt worden und durch fünf Querstraßen miteinander verbunden. Die Häuser der Oststraße waren fünfachsig und damit etwas kleiner als die der Weststraße. Als Geschäftsstraße geplant, mussten die Häuser sechsachsig sein und waren damit etwas größer. Heutzutage allerdings ist eher die Oststraße als Geschäftsstraße etabliert, so unsere Leiterin.

Auf dem Weg zu Gang drei im Gasthaus Krämer können wir noch die Skulptur „Der Münzpräger“ ansehen. Zwischen 1238 und 1297 wurden in Schmallenberg 13 verschiedene Münzen geprägt. Schmallenberg zählte zu den bedeutendsten Münzstätten des kurkölnischen Sauerlandes! Auf der Weststraße haben wir gegen Ende der Führung auch noch eine Nachbildung des Schmallenberger Pfennigs gesehen.

Kartoffel + Apfel = leeeeecker!

Im Gasthaus Krämer wird uns eine Kartoffel-Apfel-Suppe serviert. Ich hätte nicht gedacht, wie gut Apfel zu Kartoffelsuppe passen kann! Die leichte Säure des Apfels sorgt für ein Prickeln auf der Zunge und rundet die Suppe ab zu einer kleinen Delikatesse. Das wird auf jeden Fall auch in der heimischen Küche mal ausprobiert, denn ich kann mir die Suppe gut als Vorspeise am Weihnachtsfest vorstellen.

Unser Weg führt nun Richtung Kirche und dann geht es zum Wassertor. Entlang des Verlaufs der alten Stadtmauer wird uns der Weg zum Rathaus führen. Auf der Straße sind die Gullydeckel dem Schmallenberger Pfennig nachempfunden. In dem kleinen Park neben dem Rathaus können wir die Aussicht in Richtung Grafschaft genießen. Man kann sogar das Klosterkrankenhaus genau erkennen! Auch der Wilzenberg mit dem Kreuz auf der Spitze und die Kunstinstallation „Blinker II“ sind gut zu sehen.

An der Kreuzung vor dem Rathaus überqueren wir die Straße und sehen eine weitere Skulptur: ein „Schmallenberger Breybalg“ von dem Künstler Werner Klenk. Der Name geht zurück auf die angebliche Hauptnahrung der Schmallenberger während des Winters 1822/23. Durch den großen Brand Ende Oktober 1822 wurden fast 100 Häuser sowie die Vorräte für den Winter vernichtet. Daher halfen die Bewohner der umliegenden Dörfern mit Nahrungsmitteln aus und die Schmallenberger ernährten sich in diesem Winter größtenteils von Getreidebrei.

Die Bewohner der Stadt sollen so wohl die Breibäuche bekommen haben, und sie werden auch heute noch oft „ De Schmallersken Breybälge“ genannt. Wer der Skulptur und damit einem Breybalg über die Nase streichelt, der habe, so eine Erzählung, mehr Erfolg beim Abnehmen. Unsere Leiterin zeigt uns noch das älteste Gebäude der Stadt, ein aus Stein gebautes Haus aus dem Jahr 1639.

Unser nächster Gang steht bevor! Die Metzgerei Merte lädt uns auf Biermettwurst und Kräuterjagdwurst ein. Ich habe mehr als einmal probieren können und die beiden Wurstspezialitäten sind sehr herzhaft. Die Kräuterjadgwurst habe ich sogar schon öfter gekauft. Wir genießen diese kleine Stärkung und gehen weiter zu einem weiteren Haus in typischer Bauweise. Es hat fünf Achsen, eine grüngestrichene Tür sowie Fenster mit den notwendigen aufliegenden Sprossen. Das ganze Gebäude ist aufwändig mit Schiefer verkleidet.

Wir kehren zum fünften Gang ein im Hotel Deimann, welches sich im ehemaligen Hotel Störmann befindet. Auch dieses Haus ist mit Schiefer verkleidet und verziert mit Sockelleisten. Das Haus ist die ehemalige „Königlich-Preußische Posthalterei“ und wurde 1769 gegründet. Durch den Stadtbrand wurde das Gebäude zwischen 1822 und1825 neu gebaut.

Und in diesem Gebäude dürfen wir nun den „Deimanns Geist“ trinken, ein Likör nach altem Familienrezept der Familie Deimann. Der Likör schmeckt nach Kräutern und brennt kein bisschen, aber trotzdem mag ich den Likör nicht so gern. Das ist aber nicht weiter schlimm, mein Begleiter nimmt mir den sehr gerne ab denn der Likör „streichelt die Zunge und wärmt den Magen“. Auch die Herren der Chorgruppe sind begeistert und schlagen vor, dass wir doch noch länger an der Bar sitzen könnten. Doch unsere Leiterin macht dem einen Strich durch die Rechnung. Wir müssen also leider die warme Stube verlassen und im niesseligen Schmallenberg weiter die Stadt erkunden.

Nach einem kurzen Besuch der Kirche und der Bewunderung der Glaskunst des 2004 neugebauten Kirchturm kehren wir ein im Hotel Stoffels. Der Nieselregen kann uns nun nichts mehr anhaben! In dem urigen Restaurant können wir uns ein wenig aufwärmen und sitzen gemütlich beisammen. Wir bekommen ein Hirschragout mit hausgemachten Spätzle.

Mir steigt der Duft des Hirschragouts in die Nase, als der Kellner die ersten Teller bringt. Die typische Note von Wild, gemischt mit Preiselbeere und Orange, dann ein Hauch Zwiebel und Pilze. Ich habe den Teller vor mir und kann es kaum abwarten endlich zu essen. Der Jäger hat, so der Kellner, bis kurz vor unserer Ankunft noch an Tresen gesessen! So frisch bekommt man das Wild selten.

Hmmmmmm……… das leckere Hirschgulasch!

Obwohl ich im Sauerland groß geworden bin, habe ich früher nicht gerne Wild gegessen. Als ich noch klein war, gab es mal Reh zu essen und das war ein einschneidendes Erlebnis: für mich schmeckte das Fleisch einfach nach Moos und Tannenzapfen. Erst viel später habe ich mich nochmal an Wild getraut und esse es mittlerweile sehr gerne! Hier im Sauerland, wo sich ‚Hase und Fuchs Gute Nacht sagen‘, gibt es qualitativ sehr gutes Wild. Die Köche hier haben viel Erfahrung mit der Zubereitung von Wild.

Der Floigenkasper, ein sonderlicher Bürger Schmallenbergs.

Nach diesem feinen Mittagessen führt unser Weg weiter die Weststraße hinauf Richtung Schützenplatz. An der Hausnummer 21 machen wir Halt und erfahren mehr über Kasper Hamm gt. Jostjans. Dieser Bürger Schmallenbergs lebte im 19. Jahrhundert und versuchte sich am Bau eines Flugapparates. Seine Versuche mit Federn am Körper und später mit zwei Körben an den Armen misslangen und so wurde er nur noch ‚Floigenkasper‘ genannt. Eine geschmiedete Figur erinnert heute noch an den etwas seltsamen Bürger.

Unser sechster Gang wird uns im Café König serviert. Zum Kaffee reicht uns der Konditor dreierlei Pralinen mit verschiedenen Füllungen. Die dunkle Praline ist mit Marzipan gefüllt, in den beiden anderen ist Nugat drin. Sehr süß, aber so unheimlich verführerisch! Zum Kaffee bilden sie einen guten Kontrast. Besonders das Marzipan hat es mir angetan. Es schmeckt so wunderbar nach Weihnachten! Ich könnte Marzipan das ganze Jahr über essen, genauso wie Lebkuchen… Einfach herrlich!

 

Das Café König hat jeden Tag auch glutenfreie Leckereien im Angebot. Gerade für die Patienten im Klosterkrankenhaus Grafschaft ist dies eine Möglichkeit, auch mal eine Torte genießen zu können. In Grafschaft werden nämlich unter anderem auch Allergiepatienten behandelt. Generell ist die Auswahl gigantisch und man kann sich gar nicht entscheiden! Hier muss man unbedingt mal gewesen sein und sich das ein oder andere Stück Torte schmecken lassen.

 

Zum Abschluss unserer kulinarischen Stadtführung bekommen wir ein frisch gezapftes Grevensteiner Landbier im Bistro Treffpunkt, direkt gegenüber des Schützenplatzes. Heute schmeckt das Bier richtig gut! Da sind wir uns alle einig. Wir sitzen so schön im Treffpunkt, stoßen mit dem Bier an und lassen die Führung nochmal Revue passieren.

Wir hatten viel Spaß, haben auch viel über die Geschichte Schmallenbergs erfahren und nicht zuletzt auch ein großartiges 8-Gänge-Menü genießen dürfen. Die Zeit ging sehr schnell rum und wir haben auch untereinander viele kurzweilige Gespräche gehabt. Unsere Führung sollte etwa 4 Stunden dauern, aber alles in allem haben wir etwas mehr als 5 Stunden gebraucht. Wir haben die Zeit bei den jeweiligen Gängen vergessen und uns so gut verstanden, dass der Zeitplan nicht einzuhalten war. So viel Unterhaltung hatte ich selten mit mir bis dahin fremden Menschen. Die lustige Truppe, die fröhliche Leiterin und die wilde Hilde haben diesen Tag als richtiges Erlebnis in Erinnerung!

Die kulinarische Stadtführung wird veranstaltet vom  Verkehrsverein Schmallenberg e.V., die nächsten Termine findet ihr auf dieser Website. Eine Anmeldung ist jeweils bis donnerstags vor der Führung möglich, die Mindestteilnehmerzahl ist 8 Personen. Der Preis beträgt inkl. Getränken pro Person 44,50 Euro mit SauerlandCARD und 47,50 Euro ohne SauerlandCARD. Die Stadtführung kann auch vegetarisch gebucht werden.

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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